Meine Motivation nach Dublin zu gehen, war dem guten Ruf der Stadt zu folgen. Nicht nur Google und Yahoo haben hier ihren europäischen Hauptsitz, auch Dell und Microsoft sind hier vertreten.
Des Weiteren wusste ich durch zahlreiche Urlaubesreisen, dass ich dort sehr leicht weitere Kontakte aufbauen könnte. Eine Bekannte riet mir, bei meiner Suche auf Angebote von creativireland.ie zu achten.
Auf diesem Webportal stieß ich dann auch tatsächlich auf meinen Praktikumsbetrieb. Zu dieser Zeit suchte die Firma KCO einen Webdesigner für eine Vollzeitbeschäftigung.
Die Website der Firma traf absolut das Profil, das ich mir als Praktikumsbetrieb vorgestellt hatte, denn dort wurde betont, dass sie eine gute Zusammenarbeit zwischen Programmierung und Design für eine wichtige Arbeitsgrundlage erachten. Das kam mir sehr entgegen, wollte ich doch einen Einblick in die Webprogrammierung erhalten.
Ein paar Tage später wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dabei musste ich erst für die Idee eines Praktikums werben. Das Konzept ist offenkundig in Irland unter Studenten weniger verbreitet. Später hörte ich von meinem Kollegen, dass alle direkt mit einem Vollzeitvertrag ins Berufsleben eingestiegen sind. Ein bedeutender Unterschied zu den meisten Berufseinsteiger Designern in Deutschland.
Die Firma KCO hat ihren Sitz direkt in der Innenstadt von Dublin. In dem einen Teil des Büros arbeiten zwei Designer und zwei Programmierer an einer Tischgruppe. Im anderen Teil, mit einer Tür abgetrennt, befindet sich der Platz der beiden Geschäftspartner Tiarnan O´Dwyer und Daniel. Tiarnan war als Designer, Dan als Programmierer ausgebildet. Zusammen hatten sie die Firma gegründet. Bei ihnen saß ich.
In ihren Aufgabenbereich fällt der Kontakt zu Kunden und das Erarbeiteten von Strategien für diese. So werden Daniel und Tiarnan kontaktiert, wenn ein Unternehmen einen Wettbewerb (Pitch) ausruft. Dabei werden die Vorgaben und der gemeinsame Präsentationstermin aller eingeladenen Agenturen bekannt gegeben.
Zwar stammen die Kunden, für die KCO arbeitet, aus den unterschiedlichsten Bereichen, doch ähnelten sich die Arbeitsabläufe innerhalb der Agentur. Diese möchte ich im Folgenden skizzieren.
Anfangs werden die Anforderung des Auftrags besprochen. Darauf folgt ein gemeinsames Brainstorming. Falls sich dabei Leistungen ergeben, die extern eingekauft werden müssen, wird eine Recherche eingeleitet. Wenn das Konzept steht, wird einer der Designer sowie ein Entwickler von Tiarnan und Daniel bestimmt. Diese übernehmen das Projetkmanagement. Der Designer fertigt einen Entwurf an und schickt diesen zurück an die beiden Geschäftspartner. Es folgt eine Besprechung mit Entwickler, Designer und den Geschäftspartner. In dieser Besprechung werden die zu erwartenden Probleme besprochen und die Arbeitszeit grob veranschlagt. Da untereinander zwischendurch mögliche Probleme im Instand Messager debattiert werden, fallen diese Besprechungen generell äußert kurz aus. Zusammen mit Kosten der externen Leistung, wird von Daniel und Tiarnan ein Preis festgelegt. Auch die Vertragskonditionen werden von den beiden einvernehmlich geklärt. Das alles geschieht, bevor es zu Verhandlungen mit den Kunden kommt. Des Weiteren behalten die Beiden den allgemeinen Überblick über die Abgabetermine aller laufenden Projekte.
Der erste Eindruck der Idee wird vom Designer skizzenhaft für die Präsentation vorbereitet. Die Vorstellung selbst halten Daniel und Tiarnan abwechseld, je nach Schwerpunkt des Auftrages. Meist jedoch in Kombination mit den beteiligten Projektleitern.
Wird der Pitch gewonnen, werden die Layouts präzieser festgelegt und es wird mit der Entwicklung bekonnen. In der Regel gibt es in diesem Teil des Ablaufs Überscheidungen zwischen den Disziplinen. So wird das Layout für die Entwicklung vorbereitet und die Entwicklung der Websiten dem Design angepasst. Auch vergrößert sich an dieser Stelle das Team. Aufgaben werden geteilt und von anderen Entwicklern und Designern erarbeitet. Doch die Kontrolle und Koordination obliegt dem beauftragten Designer oder Entwickler. Die Hauptkommunikation mit den Kunden liegt nun ebenfalls in der Hand dieser Projektmanager. Auch hier besteht der Kontakt mit den meisten Kunden via Instant Messager Programm oder E-Mail. In Telefongesprächen werden kurzfritige Änderung abgeklärt. Eher seltener kommt es in diesem Teil des Prozesses zu einem Kundenbesuch. Bei einem persönlichen Treffen von Kunde und Projektleitung wird verstärkt über neue Ideen und Konzepte gesprochen.Sie stärkten auch das Vertrauen der Geschäftsbeziehung
Die Arbeitszeit wird über eine Software am Computer der einzelnen Mitarbeiter ermittelt. Diese Daten fließen dann bei Daniel und Tiarnan zur Abrechung und Buchhaltung zusammen.
Waren die anderen an knappe Deadlines gebunden, so wurde mir meist mehr Zeit eingeräumt. Zu meinen Aufgaben gehörte vorrangig das Zuarbeiten. An einem Beispiel möchte ich meine Arbeit für KCO etwas näher verdeutlichen: Zu den Stammkunden der Firma gehörte ein Kinobetreiber in der Nähe von der Hauptstadt. Für diese Firma zu arbeiten war immer etwas Besonderes, da die Verantwortlichen für neue Ideen schnell zu begeistern waren. Da sie sehr viele Inhalte über ihre Seite kommunizierten, arbeitete ich häufig für sie. Routineaufgaben, die ich für diese Firma bearbeitete, waren neben der technischen Einbindung von aktuellen Texten auf der Website auch die Getaltung von kleinen Bannern. Einzelne neue Filme wurden auf ihrer Website seperat präsentiert. Die Entwicklung dieser Seiten oblag mir. In Rücksprache mit dem Designer setzte ich den Entwurf in HTML, CSS und Flash um. Später übernahm ich auch deren Gestaltung. Zum Teil musste ich das zu publizierde Material erst recherchieren und konventieren. Auch das war Teil meiner täglichen Aufgaben. Des weiteren zeichnete ich aber auch Storyboards für geplante Werbefilme.
Für verschiedene Firmen wurde mir die Gestaltung und Entwicklung für Newslettern übergeben. Ich verlegte Kabel und versetzte Autos bei der digitalen Bildbearbeitung. Auch entwarf ich Bildergalerien und animierte diese im Anschluß mit Javascript. Bearbeitete Komponeten schickte ich in via E-Mail wieder zurück an den Projektleiter. Der prüfte und kommentierte diese dann.
Im Rückblick lässt sich sagen, dass die spannendsten Aufgaben jene waren, die ich vom Programmierer bekam. Waren sie doch immer eine Mischung aus Gestaltungsaufgaben und deren technischer Einbindung in die Webseiten. Ein Bereich, der mir zuvor wenig geläufig war. Und so konnte ich meine neu erworbenden Kentnisse ausprobieren. Kam ich nicht weiter, rief ich Webseiten zu diesem Thema auf. Hier kam mir sehr entgegen, dass ich permanent freien Internetzugang hatte. So lernte ich CSS und die Grundlagen von JavaScript an Hand von Fragestellungen aus der Praxis. Auch die Rücksprachen mit den Kollegen liefen so besser. Erhöhte sich doch mein Verständnis von Fachbegriffen durch Online-Nachschlagewerke.
Auch nach der Arbeitszeit trafen wir uns alle häufig und besprachen die neusten Entwicklungen auf dem Markt. Als deutlich schwieriger empfand ich es, mit einem der anderen Designer zusammen zu arbeiten. Denn gemeinsam genutzte Datein waren nicht nach einem durchgängigen System aufgebaut. Was meist zur Folge hatte, dass ich die Komponenten der Datein erst analysieren musste, um mich darin zurecht zu finden. Hier hätte ich mir verbindliche Übereinkünfte, wie Dokumente aufgebaut werden sollten, gewünscht.
Auch war hier die Aufgabenstellung schwammiger. Da ich bei manchen Projekten kein Briefing erhalten hatte, fiel es mir schwer, die Erwartungen zu treffen. So musste ich anfangs oft meine Entwürfe überarbeiten. Durch diese Arbeit lernte ich, wie wichtig es ist, nicht stolz auf das Detail zu sein, das ich selbst gestaltet habe, sondern meine Konzentration auf die Integration in das Konzept zu richten.
Herausraged positiv fand ich das Brainstorming. Gemeinsam, ungeachtet der Hierarchien, wurden hier Ideen entwickelt. Gerade dabei wurde die Erfahrung und das Wissen aus den unterschiedlichsten Lebens- und Kulturbereichen geschätzt.
Auch wenn die meiste Zeit mit der Ausarbeitung von Projekten verbracht wurde, gab es ein gemeinsames Interesse am Experimentieren. Zwei dieser Experimente laufen heute als eigenständige Geschäftsmodelle.
Meine Haltung zu einem Praktikum war durchaus voreingenommen. So hatte ich von wenigen positiven Beispielen aus meinem deutschen Freundeskreis gehört. Auch die Praktika in Deutschland die ich vor meinem Studium absolvierte, riefen in mir eher wenig positive Erinnerungen hervor. Waren diese doch alle unbezahlt und erwarteten von mir regelmäßig Überstunden. Auch kam mir kaum persönliche Wertschätzung entgegen.
Ich möchte nicht ausschließen, dass dies ebenfalls zu meiner Motivation, ins Ausland zu gehen, beigetragen haben. Denn wenn ich für ein Unternehmen arbeite –und das vielleicht sogar entgeldfrei- möchte ich von dieser Erfahrung auch am meisten profitieren. Und so würde es wenigstens zu einem praktischen Einsatz meiner Sprachkenntnise kommen. So waren meine Überlegungen.
Bei KCO hatte ich weder bei mir noch bei den Anderen das Gefühl, dass sie unter länger anhaltendem Terminstreß standen. Zwar arbeiteten alle auch mal ein wenig länger, wenn ein Projekt mehr Zeit brauchte. Das galt vor allem für die beiden Geschäftspartner, die sich auch regelmäßig am Wochenende wieder im Büro einfanden. Doch wurden alle mit einer Entlastung an einer anderen Stelle dafür entlohnt. Das trug sicher auch zu dem angenehmem Umgang untereinander bei. Das zeigte sich auch daran dass mir meine Kollegen bei Problemen immer zur Seite standen und sich Zeit nahmen, mir Tricks und Tastenkürzel zu zeigen. Auch gaben mir Tipps im Umgang mit Kunden. Ich bin mir sicher, dass ich davon in meiner späteren Arbeit profitieren werde. Zusammenfassend kann ich also den Umgang als sehr respektvoll beschreiben.
Eines hätte ich sicher früher erwartet, nämlich die Übertragung von Projekten. Doch bemerkte ich in der Praxis, dass es bei der Arbeit eines Designers nur ein Bereich ist, Ideen zu entwickeln. Der Größere umfasst die Ausarbeitung dieser Ideen. Dazu fehlte mir am Anfang der sichere Umgang mit der Software. Und ich war von mir persönlich enttäuscht, nicht in der Arbeitsgeschwindkeit der anderen mithalten zu können. In meinem Studium erlebte ich Designarbeit vorwiegend als Konzeptarbeit, bei der die Ausführung in den Hintergrund tritt.
Meine ersten Aufgaben waren sehr einfach und kurz gehalten. Doch später merkte ich, dass die Folgenden mehr aufeinander aufgebaut waren, als mir dies am Anfang bewußt war. Es wurde schwieriger, aber nun kam ich damit besser klar. Ich denke, dass ich durch dieses Praktikum einen anderen Blick auf mein Studium bekommen habe, als das vorher der Fall war. Wissen und Erfahrung ist etwas, das man sich mit viel Geduld erarbeiten muss. Das Lernen wird nicht weniger, auch wenn ich meinem Abschluß zustrebe. Doch diese Zeit gibt mir Mut, dass ich auf dem richtigen Weg dahin bin.